Ich klage an


Keiner traut sich mehr, zu flirten.

Das ist irgendwie nicht mehr mein Land: Jetzt wollen die hyperkorrekten Spaßbremsen auch noch das „Upskirting“ verbieten, eine wohlfeile Kunstform, bei der, im natürlich besten Sinne, ahnungslosen Frauen unter den Rock fotografiert wird, und zwar in den Teildisziplinen Rolltreppe, Museum und Tanzbar. Demnächst stellen sie dann wahrscheinlich noch das Atmen unter Strafe oder wie? Es ist eine Schande.

Ich mein, hallo, wir können das alles ruhig auch ganz sein lassen: Blumen, Kerzen, Komplimente. Sollen die Weiber doch versuchen, sich selbst zu befruchten. Dann gibt es eben in Zukunft keine Kinder mehr, nee, sorry, gibt‘s nicht, zu gefährlich – wir haben keinen Bock für nullkommanüscht an den Pranger gestellt zu werden, hingerichtet, kastriert, ermahnt oder lebenslänglich ins Gefängnis, tut uns leid, nicht mehr mit uns, auf Wiedersehen -, und die Menschheit stirbt aus. Wenn es das ist, was die verkniffenen Spinner wollen: können sie haben, kein Problem.

Der absurde Quatsch verunsichert uns Männer doch total. Keiner traut sich mehr, zu flirten. Wer lädt da noch eine nette Dame spontan zum Kaffee ein, um unter dem Kaffeehaustisch diskret ihren Schlüppi abzulichten – das kann ja wohl kaum der Sinn der Sache sein? Das ist doch nur ein Kompliment, das unser Interesse an ihr zeigt: Siehe, du bist schön; ich begehre dich; ich trage dich auf Händen und möchte ein Erinnerungsstück von dir. Für Mein Auge, für mein Herz, für meine Fotogalerie.

Es müsste sie eigentlich doch mit Stolz erfüllen: So ein gut aussehender fünfzig-, oder dreißig- oder achtzigjähriger mit kaum verschimmelten Zähnen und roter Nase zelebriert zu ihren Füßen das Hochpriesteramt des Eros, verneigt sich vor der weiblichen Grazie und baut ihr eine himmlische Brücke hoch in seine iCloud oder einen angemessenen öffentlichen Platz im World Wide Web.

Und was für hässliche Worte die lustfeindlichen Pharisäer in ihren verkniffenen Mündern führen,„Spanner“ oder „Voyeur“ oder „Arschloch“: Geht man so mit Menschen um, die doch einfach nur ihr Menschsein leben wollen? Eine illiberale Verbotskultur, die aus Bewunderern automatisch Verbrecher macht, ist das Ergebnis des Gesinnungsfaschismus‘ der Feminazis und ihrer kleinschwänzigen Stiefellecker.

Heute also die Männer. Und morgen? Morgen dann bestimmt die Frauen, die durch diesen fanatischen Wahnsinn doch vorgeblich geschützt werden sollten. Geschützt wovor denn: etwa vor ihrer eigenen Sexualität? Wenn wir damit wieder anfangen, kommen wir doch in Teufels Küche. Die sexuelle Befreiung, die Studentenbewegung, 1968, Dr. Sommer, nudefarbene Gummibärchen – soll das nun alles umsonst gewesen sein? Stattdessen droht das finsterste Mittelalter: Jeder Fotoapparat, jedes Smartphone, ja, sogar jede auf dem Schuh befestigte Minikamera gerät auf einmal unter Generalverdacht. Wenn es nach diesen selbsternannten Sittenwächtern geht, wird morgen der Kuppeleiparagraf wieder eingeführt, übermorgen die Burka, und am Ende wird jeder, der auch nur an einen Straßenbaum hinpullert, öffentlich gesteinigt. In Deutschland hält mich bald nichts mehr.

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