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Zeuge eines Wunders

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Das bin ich dieser Tage zum wiederholten Mal geworden. Einmal mehr überquerte ich mit unsicherem Hinkeschritt eine der Brücken, die Kreuzberg und Neukölln mehr trennen denn verbinden und sah auf einmal einen Menschen beim Versuch über das Wasser des Landwehrkanals zu schreiten, und zwar ohne Boot oder Brücke. Da das Wasser zur Zeit sehr kalt sein dürfte, bekam ich auf der Stelle einen gehörigen Schreck und rief warnend: "He ho, Ho he!"

Der Wasserwandler zeigte keine Reaktion, womöglich hörte er mich nicht oder dachte, die Fische sprächen zu ihm, denn sein Blick blieb gesenkt auf die Kanaloberfläche, die im übrigen seltsam weiß schimmerte. Dabei sank er weiterhin nicht ein, doch wahrscheinlich sah das von meiner Warte nur so aus und er sank einfach nur sehr langsam, weil er so leicht war - irgendwann aber wäre er unweigerlich untergegangen, da war ich mir sicher.

Also versuchte ich es nochmal, lauter und eindringlicher, ein zischendes Brüllen, das auf energische Weise ins Salbungsvolle hinüberglitt: "He Ho Du!"

Doch er latschte einfach weiter über das Wasser. Auf einmal sah ich immer mehr Menschen hinzustoßen, Männer, Frauen und Kinder, die alle unter den Brücken hervorkamen (Penner also offensichtlich) und ebenfalls auf dem Kanal herumliefen. Ich schrie, belferte und warnte sie alle an, bis ich heiser war, doch man hielt sich wohl für was besseres und der Landwehrkanal auch, der zog hier mitten im Winter die See-Genezareth-Nummer ab. Traurig aber auf eine Art auch fröhlich zog ich weiter. Ich hatte getan, was ich konnte. Nun war es an der Zeit für das Schicksal, seinen Beitrag zu leisten.

Massenjesus
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