Weltanalphabetentag - wir feiern mit
Wie üblich hinke ich auch diesmal wieder exakt einen Tag dem Ereignis hinterher: Gestern war, wie jedes Jahr exakt drei Tage vor dem 11. September, Welttag des Analphabetismus. Das soll mich nicht daran hindern, allen Analphabeten herzlich zu gratulieren. Nachträglich.
An dieser Stelle möchte ich den Event zusätzlich durch die Preisgabe eines kleinen, aber pikanten persönlichen Geheimnisses würdigen und unterstreichen: Auch ich selber kann weder lesen noch schreiben.
Meine Texte werden allesamt von einem kleinen Mädchen namens Uschi Zimmermann verfasst. Die grüßen wir an dieser Stelle alle mal recht herzlich - ich finde, sie macht ihre Sache für ihr Alter wirklich ausgezeichnet, und ich habe ihr sehr viel zu verdanken.
Zwei Hauptgründe führen zu unserer merkwürdigen Zusammenarbeit: Zum einen findet sie die Qualität der Texte (was übrigens auch für die Blöks gilt) zu fragwürdig, um sie guten Gewissens unter ihrem eigenen Namen zu veröffentlichen. Zum zweiten ist sie zu schüchtern und zu bescheiden für den öffentlichen Auftritt auf Lesebühnen, wobei noch erschwerend hinzukommt, dass Uschi gelähmt ist, und keine der Bühnen eine Rollstuhlrampe besitzt. Man kann durchaus sagen: ihr Pech ist praktisch mein Glück.
Nicht unterschätzt wissen möchte allerdings auch meine eigene Leistung, die immerhin darin besteht, Woche für Woche zwei Texte auswendig zu lernen, vorzutragen, und dabei so zu tun, als läse ich sie vom Blatt ab. Das ist hart. Vielleicht lerne ich doch noch wenigstens lesen.

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