Spieler ermordet Schiedsrichter
Sämtliche seriösen Zeitungen hatten es als kleine Meldung. Der Unterschied zwischen seriösen und unseriösen Zeitungen ist, dass letztere Meldungen dieser Art als Aufmacher bringen, während erstere dafür eine eigene Seite am Ende des Blattes verstecken, unter vagen Schleieretiketten wie „Panorama“, „Vermischtes“ oder „aus aller Welt“, obwohl sie passender mit „Faxen von Rockstars und Adeligen sowie originelle Todesfälle“ überschrieben wäre. Diesmal steht es jedoch auf der Sportseite. Da sollte die Frage schon erlaubt sein: Ist das, was nach ultimativem Foulspiel klingt, wirklich noch Sport? Auf der anderen Seite ist auch das Foulspiel integrativer Bestandteil einer jeden Sportart, ebenso wie die intensive Spielnachbereitung, unter die die Mordtat fallen könnte. Es ist eben nicht immer ganz einfach zu sagen, wo der originäre Sport endet und der originelle Todesfall beginnt.
Ich lese weiter: In der Slowakei hat ein 21jähriger Eishockeyspieler aus Kosice einen 26 jährigen Schiedsrichter auf einer Autobahnraststätte mit 14 Messerstichen ermordet.
Ach so, Eishockey. Jetzt wird mir einiges klarer, Eishockey ist nun mal eine harte Sportart, da gehen die Uhren anders als beim Rhönradfahren. Die rauen Jungs haben ihre eigene Mentalität, eine eigene Sprache und eigene Gesetze, die wir Zuschauer doch oft gar nicht durchschauen. Wo auf der Spielerbank ohne Betäubung genäht wird, wird auf der Parkplatzbank bestimmt auch ohne Betäubung gemessert.
Spieler gegen Schiedsrichter. Es ist, als habe sich da jemand von seinem Peiniger befreit und damit endlich den eng würgenden Knoten aus übermächtiger Vaterfigur, Obrigkeit und Überwacher zerschlagen. Vom Prinzip her auch ein ähnlicher Fall wie „Wildschwein erschießt Jäger“. Das Opfer wehrt sich, der sonst Verfolgte und Gejagte, und sei es nur mit Strafzeiten, schlägt endlich mal zurück.
Zwar scheint mir eine Autobahnraststätte tatsächlich relativ weit von der Eisfläche entfernt, aber unser Fußballtrainer hat uns auch stets eingeschärft, den Gegenspieler notfalls bis auf die Toilette zu verfolgen.
Keine Frage angesichts dieses Kampfes David gegen Goliath, wem hier meine Sympathien gehören. Selbst wenn der David mit dem Messer größer und stärker ist als der Goliath, welcher unbewaffnet ist: Nicht nur im Sport ist ein Foulspiel manchmal einfach nötig.

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