Schon wieder schönes Wetter
Langsam nervt's ganz ordentlich. Kaum steht man morgens auf, und zieht den Kleiderschrank vom Fenster weg, wo er nachts als Gardine dient, um nach draußen zu gucken und guckt dann auch tatsächlich nach draußen, ist schon wieder schönes Wetter. Das ist im Grunde genau das, was ich am Herbst so hasse. Und an den anderen Jahreszeiten auch.
Immerhin aber ist das schöne Wetter dieser Tage sehr bescheiden. Mit charmantem Scham hält es sich hinter dichten Wolken verborgen, von wo aus es uns auf unprätentiöse Weise neckt. Am eheseten würde ich es mit einer schönen Tauchschülerin vergleichen, die unter Neoprenanzug, Taucherbrille und Sauerstoffflasche steckt. Das ist docvh viel verlockender, als jenes pornografisch anmutende offene Prahlen mit Strahlen, dass einem in so manchem drittklassigen Urlaubsland tagtäglich mit brutaler Wucht um die Ohren geschlagen wird.
Nein, unser schönes Wetter gibt sich nicht so billig. Es ist züchtig, anständig und hochgeschlossen, und verheißt gerade dadurch um so mehr. Genau diese Mischung aus Schüchternheit und Zielstrebigkeit ist es, die es so begehrenswert macht. Nicht jeder kann es haben, signalisiert das grau verschleierte schöne Wetter - es ist kein nuttiges Urlaubswetter. Und wenn es dann doch mal das dichte Wolkenkleid nur ein paar Zentimeter lüftet und einen kleinen Streifen Sonne zeigt, dann dürfen wir uns richtig privilegiert fühlen.

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Regen