Riesenarschlochistan
"Egal, wer das Spiel Deutschland gegen Türkei gewinnt - die Türken und die Deutschen sind längst zusammengewachsen", schreibt die Taz am heutigen Mittwoch auf ihrer Titelseite.
Ein fataler Irrtum, denn wenn dem so wäre, würde sicher weniger Aufhebens um die Herkunft Münchener U-Bahnschläger gemacht. Dass das Video ihrer Tat sogar in der Tagesschau gezeigt wird, ist für ein vergleichbares Delikt schon recht ungewöhnlich. Passend dazu die Diskussion um die Abschiebung hier geborener Produkte unserer eigenen Gesellschaft.
Dabei wird eines vergessen: bei Leuten, die andere Menschen aus nichtigen Gründen (halb-)totschlagen, handelt es sich nicht um Türken, Griechen oder Transylvanier, sondern schlicht um Riesenarschlöcher. Riesenarschlöcher aber kommen aus Riesenarschlochistan. Riesenarschlochistan wiederum ist überall; Riesenarschlochistan hat keine Grenzen. Jemanden aus oder nach Riesenarschlochistan ausweisen zu wollen, ist folglich so paradox wie ein ununterbrochener Eulenkreisverkehrtransport innerhalb Athens.
Die Taz hat es immerhin gut gemeint. Danke. Der Tagesspiegel wiederum spricht vom heutigen Spiel als "großen Einbürgerungstest". Hä? Für wen? Wenn wir wirklich alle gemeint wären, wieso dann Einbürgerungstest? Was ist das wieder für eine leckerbraune Mousse au Chauvinat für die eigene Klientel, die in Zehlendorf sitzt, und Angst hat vor allem Fremden, weil sie es nicht kennt?
Ich bin mir sicher, dass auch heute Nacht wieder Riesenarschlöcher jedweder Meinung, Couleur und Herkunft unfröhliche Urständ feiern. Angst davor habe ich nicht. Das wäre vollkommen unrealistisch. Wir sollten froh sein, in einem Land zu leben, in dem man vergleichsweise wenig Grund zur Angst hat. Diesen Zustand sollten wir mit möglichst vielen anderen Menschen teilen.

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