Privatistisches Gejammer
So möchte ich, mit ein wenig Abstand betrachtet, meinen Blök von gestern großenteils nennen. Ich glaube nicht, dass das Wort "privatistisch" existiert. Aber es gefällt mir. Liegt irgendwie in der Mitte zwischen altmarxistischem Zauselgeblubber und neoliberalem Bionade-Sprech und entspricht damit haargenau meinem Persönlichkeitsprofil.
Ich könnte den Blök ja auch löschen oder überarbeiten. Aber erstens käme das einem Schuldeingeständnis gleich, zweitens ist es so authentischer und drittens ist das ja alles noch vergleichsweise harmlos in der Selbstentblößung, wenn man sich die notorisch unterfickten Hilferufe so manch anderen Blökers reinzieht.
Also bleiben wir mal privat: Die Deutsche Rentenversicherung hat mir geschrieben. Statt mir wie üblich feinsäuberlich auszurechnen, dass, wenn ich auf der Stelle mich verrentete, ich mich über eine monatliche Versorgung von 68 Euro und 20 Cent freuen dürfe, haben sie auf einmal spitzgekriegt, dass sie das eigentlich nie berechnen konnten, denn es gibt "ungeklärte Zeiten".
Ungeklärte Zeiten:
26.08.1982 bis 01.07.1984
01.10.1985 bis 31.07.1998
01.09.1999 bis 20.10.1999
Eine Menge ungeklärte Zeiten also. Wobei sich für mich vor allem die Frage stellt: Warum ist beispielsweise die Zeit zwischen dem 31.07.1998 und dem 01.09.1999 nicht ungeklärt? Das ist für mich die eigentliche ungeklärte Sache.
Das ganze Schreiben ist mir sowieso von vorne bis hinten zu hoch, zu anstrengend, und zu hochanstrengend. Am besten, ich stell mich einfach tot. Vielleicht bekomme ich dann sofort meine 68,20.
Dafür lüften sich andere Geheimnisse zusehend. Hatte Jochen Schmidt mich doch am Sonntag auf dem Lausitzer Platz gesehen. Mittlerweile haben wir geklärt, was wir da gemacht haben.
Ich: "Ich bin da so langgegangen."
Er: "Ich saß da vor so nem schlechten Italiener, und hab gesehen, wie du da lang gegangen bist."
So, das hätten wir also schon mal. Wobei sich für mich allerdings schon die Frage stellt: Hat es dieser wunderbare Autor und Laufmasch(in)e in Abwehr, Mittelfeld und Angriff nötig, vor einem schlechten Italiener zu sitzen? Und was ist überhaupt ein schlechter Italiener? Ein Mafioso? Spuckt der ins Eis? Zieht der schon vor dem dreißigsten Geburtstag bei Mamma aus? Schreit er nicht laut genug in der Öffentlichkeit? Lässt er sich nicht theatralisch genug auf dem Fußballplatz fallen? Pfeift er zu wenigen Frauen hinterher? Und sollte man, wenn er schon ein schlechter Italiener ist, nicht sicherheitshalber hinter ihm sitzen, anstatt ihm auch noch unvorsichtigerweise den Rücken zuzukehren?
Das sind freilich auch alles reichlich privatistische Fragen.

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