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Man kann auch ohne Kälte Sportschau seh'n

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Und hier die gute Nachricht für alle Daheimgebliebenen und frei nach einem Lied der Goldenen Zitronen („Man kann auch ohne Beine Sportschau seh'n“): Man kann auch ohne Kälte die Sportschau sehen, wie der kleine Schnappschuss aus der Terrassentür unseres Schlaf- und Fernsehzimmers beweist. Tückisch ist allerdings die Anfangszeit, da es auf La Gomorra eine Stunde früher ist, also muss man schon um Fünf einschalten, da sonst die Hälfte bereits vorbei ist. Das ist schon ziemlich schlimm auf ne Art und das Problem hätte man in Deutschland nicht, aber ich möchte trotzdem nicht tauschen. Wenn ich mir nämlich vorstelle, ich säße stattdessen in Felle gehüllt und trotzdem bibbernd zuhause auf meinem kalten Sofa aus Schnee und Beton, während am Fenster eine acht Meter dicke Schicht aus Eisblumen die ohnehin schon vormittags hereingebrochene Nacht noch weiter verdunkelt, vermag mich kein Gedanke an irgendeine wie auch immer dramatisch geartete Sportschau zu erwärmen, noch dazu, da der Samstagnachmittag längst für die Mainzes und Hannovers unter den Mannschaften reserviert zu sein scheint, den Abfall also, den Freitag und Sonntag gnädig übriglassen. Was ist das noch für eine Sportschau, die mit Botoxeinspritzungen aus zweiter und dritter Liga sowie rhythmischer Sportgymnastik zu einer geisterhaften Mumie aufgeblasen wird? Wären Mainz, Hannover und Nürnberg Tanzschüler, würden sie blass und verpickelt am Rand der Aula herumlungern und sehnsüchtig in die Mitte starren, wo sich frohgemut die strahlenden Klassenschönen im Reigen drehen. Die einzige Aufmerksamkeit, die diese Bochums, Frankfurts, Kölns und Mönchengladbachs erhalten, ist ab und zu ein Kichern, das frech und verächtlich zu ihnen herüberschallt, wenn die Klassenschönen sich mal wieder arrogant aber nicht völlig unoriginell („Vielleicht hat er ja bei Aknes ne Chance, hihi“ - „Hihihi - wer ist Aknes?“ - „Na, AKNES, hihihihi“ - „Ach so, Aknes, hihihihihi“ - „Hihihihihihi!“) über die Randsteher lustiggemacht haben. Doch ich schweife ab.

 

Bis auf das Zeitumstellungsproblem, das sich mit ein bisschen Gedankendisziplin lösen lässt, ist das Sportschausehen bei 23 Grad unter Palmen schon angenehmer. Doch, doch, durchaus. Ich kann mir nach ein paar Tagen hier gar nicht mehr vorstellen, dass das keinem allgemeinen Konsens entspräche, aber vielleicht habe ich ja irgendwas übersehen, sonst wären ja wohl schließlich alle hier.
Daher an dieser Stelle meine ehrliche Frage in die Runde: Welche Gründe habt ihr, das Sehen der Sportschau (alternativ auch Tatort, Tageschau oder gar nichts) in einem auf den ersten, zweiten und dritten Blick überaus lebensfeindlichen Umfeld vorzuziehen? Worin liegt der Vorteil, was ist der Reiz - ist es das Morbide, die Gefahr, die Kälte, das Elend und das Grauen? Eine Form von Selbsthass, Todessehnsucht oder bittersüßem Trotz? Das würde mich jetzt also, ganz ohne Scheiß und Provo, würde mich hier echt mal interessieren.
Artikelaktionen

Deine Frage

Posted by Ahne at 09.02.2010 11:28
Ich hab auf jeden Fall meine Gründe.

Schiebespalte

Posted by Falko Hennig at 11.02.2010 00:03
Ich fürchte, dass derjenige, der eine solche lesefeindliche Schiebespalte auf seinem Blök verwendet, vom Gott der Typografie eines Tages mit einer schmerzhaften Knochenhautenzündung gestraft wird. Andererseits kann man es demjenigen, der eine solche Malaise schon vorher ohne Anlass bekommen hat, gar nicht verdenken, sich auf diese Art zu rächen.

schiebespalte

Posted by generator at 11.02.2010 11:17
Aber der Schiebespaltenrachegott straft den Autor doch schon mit dem Ausschluss aus einem wirklich charakterformenden kollektiven Eiswettererlebnis. Da sitzt er nun (fast) allein auf dieser gottverdammten Hippie-Insel und muss blöken, um sich das alles schönzureden.

schiebespalte

Posted by Uli Hannemann at 12.02.2010 15:33
Leider keine Ahnung, wie das Ding hier reingekommen ist. Und von hier aus kann ichs auch nicht reparieren. Zu warm ...

Schiebespalte

Posted by Jakob at 16.02.2010 14:39
hihihi
(pubertäres Kichern)

Uli

Posted by Uli Hannemann at 16.02.2010 23:51
Ach, Herr Doktor ...

Schiebespalte

Posted by Jakob at 20.02.2010 16:12
Ja, aber trotzdem, ich meine das Wort, also wir hätten damals (und wir hatten ja nichts und hätten, hätten das konnten wir uns schon gar nicht leisten, ich meine wir waren zufrieden mit Präsens, da fingen wir gar nicht erst mit Konjunktiv an, damals unter Stalin), nur ich meine ...Hmmpf..., tut mir leid, ...röchel..., weil,...(kicher)..., ach, scheiß was drauf: Hihihi.

Frage/Antwort

Posted by Hottentotte at 25.02.2010 10:42
Welche Gründe könnten es wohl sein das ich an deiner Stelle nicht unter den Palmen liege?
Weil ich eher auf Tannenbäume und deutsche Eiche stehe?
Weil Zeitumstellungsproblem mir zu hoch ist? oder einfach deshalb weil Hartz4 zum leben nichts zu wünschen übrig lässt dass man erst gar nicht von Palmen, Sonne und Strand träumt. Oder gar in Gegenteil man wagt es nicht einmal davon zu reden geschweige darüber bloggen.

Alternativen wären auch denkbar weil:
auf den Fijis kein Pilsator gibt
man auf den Fijis nichts zu nörgeln hätte
man das Ordnungsamt erst überreden müsste mit zu kommen; denn "Ordnung muss sein"

ach ja mir Persönlich würde am meisten die Rückreise auf den Sack gehen und schon hätte ich mich auch damit aklimatisiert.