Mal über was Wichtiges schreiben
Alltagswischiwaschi sei das alles hier, behauptet meine Führungsoffizierin. Ich könne ja das Ganze besser gleich "Uli Hannemann blökt" nennen. Da hat sie Recht. Gefällt mir übrigens selber auch viel besser.
Trotzdem denke ich, ich könnte mich auch mal mit was Relevanterem befassen, dem Weltfrieden zum Beispiel.
Aber tue ich das nicht längst? Ich denke schon.
Um das zu erläutern, muss ich jetzt mal gaaaanz weit ausholen. Also Public Viewing hin, Ameisenalarm her - da steckt doch eigentlich viel mehr dahinter. So lautet mein Motto seit jeher: "Kleinformatig denken, großformatig handeln." Denn die kleinste Zelle der Gesellschaft ist nicht das Individuum, sondern die einzelne Zelle des Individuums. Bereits eine einzige Zelle aus meiner Haarspitze kann der Beweis sein, dass ich jemand ganz anderes bin, als ich dachte. Und obwohl ich möglicherweise gar nicht ich bin, habe ich (wenn ich mich jetzt mal als Haarspitze sehe, in Vertretung für Aberbillionen anderer Körperzellen) als Teil eines Individuums und das Individuum als Teil der Gesellschaft die gottverdammte Pflicht, mit gutem Beispiel voran zu gehen.
Bereits im Kleinen übernehme ich Verantwortung für den Weltfrieden. Um - und da schließt sich der Kreis! - auf die Ameisen zurückzukommen. Obwohl der Feind bereits mitten in meiner Wohnung sitzt, also weit näher und bedrohlicher ist, als besipielsweise der Iran für die USA, bekämpfe ich ihn nicht mit Bomben und Atomraketen. Es ist vielmehr ein faires archaisches Ringen, Fuß gegen Fühler, Faust gegen Beißwerkzeuge.
Desweiteren verspreche ich, mich nicht mehr zu rasieren, bevor nicht der Weltfrieden endgültig gesichert ist. Zumindest nicht gründlich. Zu diesem Zweck habe ich mir eigens einen Elektrorasierer niederländischen Fabrikats zugelegt, ein ausgesprochen unqualifiziertes Produkt.

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