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Kunstkacke im Multiplex

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Das nächstgelegene Kino, in dem der Film lief, den wir gestern gucken wollten, war leider das riesige Cinemaxx am Potsdamerplatz. Die Spielstätte passte eigentlich gar nicht zu dem dänischen Film, der noch nicht einmal Untertitel besaß (Zum Glück war er synchronsiert). Obwohl ein gewöhnlicher Spielfilm, fällt er für Multiplexverhältnisse sicher schon unter den Oberbegriff "Kunstkacke". "Kino 817", sagte denn auch der Mann an der Kinokasse, und schob wie warnend nach: "Das ist ein sehr kleines Kino. Erste oder zweite Reihe?"

Wir nahmen Plätze in der zwoten.

Glücklicherweise war es noch relativ lang vor Beginn, denn wir waren reichlich damit beschäftigt, den abgelegenen Saal zu finden. Wir folgten Hinweisschild auf Hinweisschild, bis wir in einer verborgenen Nische schließlich einen Lastenaufzug entdeckten, in dem sich ein abgeschabtes Schild befand: "13. Etage: Saal 750 - 820. Kunstkacke". Hier war man noch ehrlich; hier nahm sich das Management kein Blatt vor den Mund: "Geht das nächste Mal wieder ins 'Sputnik am Südstern', ihr Hirnschwuchteln", schlug man uns einen deutlichen Fingerzeig ins Gesicht, "wir brauchen unsere Abstellräume eigentlich für Wichtigeres."

Quietschend setzte sich die offenbar lang nicht mehr bewegte Lore in Bewegung. Nach einer gefühlten halben Ewigkeit nahm der äußerst ruckartige Transport im 13. Stock dann schließlich doch ein gutes Ende. Nur ein paar Notlichter erhellten unzureichend ein paar dunkle Gänge. Linkerhand lockte uns ein versteckt in die Wand geritzter Verweis in einen stockdunklen Tunnel, der zu den Sälen mit den 800er Nummern zu führen versprach.

"Der tote Gang", wie er von sämtlichen Kinomitarbeitern unten im hell erleuchteten Zentrum des Lichtspielhauses hinter vorgehaltener Hand genannt wird. Seit Jahren hat sich keiner von ihnen mehr hier hoch gewagt, bis auf einen buckligen Vorführer, der irre krächzend bis an sein Lebensende in seinem Kabuff sitzt, und mithilfe des Lastenaufzugs mit dem Nötigsten versorgt wird.

Der finstere Schacht verjüngte sich. Auch in Kopfhöhe - wir musssten uns ducken, während wir, immer wieder dicke Spinnweben aus den Gesichtern wischend, über mumifizierte Rattenleichen vorwärts stolperten. Die Zeit drängte inzwischen - hoffentlich lief lange genug Reklame.

Endlich ertasteten wir den Eingang von Kino 817, und öffneten eine knarrende Tür. Drinnen konnte man immerhin etwas erkennen, denn die "Tage des Zorns" hatten bereits angefangen. Ich blickte mich um: Genau so hätte mir ein Fernsehzimmer in der Hölle vorgestellt. Fünf Pätze, zwei vorne und drei hinten. Na, wenn das hier Saal 817 war, dann wollte ich Saal 820 aber nicht im Hellen sehen. Da lief wahrscheinlich die "Reifeprüfung". Im Stehen.

Außer uns war nur noch ein einziger Zuschauer da. Oder eine Zuschauerin? Sie saß vor uns. Erst als ich sie an der Schulter berührte, um sie zu bitten, ihren Hut abzunehmen, bemerkte ich, dass sie ein Skelett war. Oh, Entschuldigung ... Mutter!

Im Film wurde dann fast pausenlos aus allen Rohren geschossen und dafür fast gar nicht gevögelt. Typische Kunstkacke eben.

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