Kulturkritik
Die Gentrifizierung der Neuköllner Gastronomie macht auch vorm Hermannplatz nicht Halt. So gibt es neben dem immer leeren und dunklen Glutamatthaichinesen mit dem überfüllten Goldfischteich neben dem Tresen schon lange den leckeren In-Vietnamesen voller hektischer junger Leute. Alles Experten für Wirtschaft, Werbung und Kultur - so hörte ich gestern vom Nebentisch: "Spastenscheiße".
Die Rede war von einem bestimmten Musical. Das sei, so eine gutinformierte junge Frau, obwohl ein Musical, "nicht so eine Spastenscheiße wie meistens sonst."
Sehr interessant und in all seiner Sachlichkeit doch mutig. Das mag ich so an ambitionierter und moderner Kulturkritik. Sie scheut weder vor klaren Worten zurück, noch vor der Schaffung neuer und aussagekräftiger Kategorien. Respekt ist das Entenbrot des Rappers. Ich halte überhaupt nichts von der weinerlichen Tour, den "nach bestem Wissen und Gewissen" hart "arbeitenden" und verletzlichen "Menschen" hinter der "Arbeit" eines "Künstlers" zu sehen. Der Künstler ist nichts als ein blödes Schwein, das geschlachtet werden muss. Nur dieses absolute Wissen hilft ihm, sich zu verbessern, und anständig zu benehmen und so.
Schließlich ist er es, der sich ohne Not weit aus dem Fenster lehnt. Da braucht er sich nicht zu wundern, dass er auch mal ab und zu hinauspurzelt. Immerhin fällt er ja weich, und wenn ausnahmsweise nicht in riesige Haufen Geldscheine, die so ein Künstler ja üblicherweise mit seinem/r Machwerk, Kunstkacke, Geschreibsel etc. verdient, dann doch wenigstens in Spastenscheiße.

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