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Jetzt ist es doch so weit

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Auf den üblichen Pressehinweis für "LSD - Liebe statt Drogen" an die Berliner Stadt- und Programmzeitschrift "Zitty", erhielt ich als Antwort eine Mail der Firma "Cine Marketing GmbH".

Der bereits im Vorjahr verkündete (eine umfangreiche Dokumentation plus Diskussion findet sich hier im Reptilienfonds), und, wie ich dachte zwischenzeitlich in einem Anfall von Einsicht und Vernunft fallengelassene Plan, die digitale Erfassung der Programmdaten sämtlicher Berliner Stadtmagazine an die o.g. Firma kostenpflichtig outzusourcen (?!), wird nun anscheinend doch wahrgemacht.

Stichtag offenbar 1. Juli. Da ändert sich ja ohnehin soviel, das merkt ja keiner, das rutscht so durch zwischen Änderungen im Steuerrecht und der endgültigen Konstituierung des Rauchverbots.

Doch es gibt auch positive Dinge: so ist ab dem 1. Juli 2008 die Hautkrebsvorsorgeuntersuchung Kassenleistung.

Aber wer braucht Hautkrebs, wenn er die Zitty hat?

Von was lebt denn die Zitty, weswegen wurde sie gekauft?

Wegen der Termine, die ihnen von Abertausenden großer, kleiner und winziger Veranstalter zugesandt und im Heft veröffentlicht wurden. Nun aber entlässt man Mitarbeiter, die die Verarbeitung dieser Daten bislang vornahmen.

Der Zitty scheint es schlecht zu gehen. Ein Grund könnte in der seit mehreren Jahren konsequent fortgeführten Linie liegen, nur noch selbsterfundene Trends, neoliberales Kindergartengewäsch und Ich-will-Spaß-Geseiere vor die Leser zu kippen, wie Müll in eine krähen- und möwenumschwärmte Deponie.

Kein Wunder, wenn eine gewisse Lesergeneration, die bis dahin das Magazin ohnehin nur trotz und nicht wegen des (auch früher oft banalen, doch wenigstens gutgemeinten) redaktionellen Teils erworben hat, nun endgültig wegbricht. Es ist eine ältere Generation, der graues Recyclingpapier nicht in den Augen schmerzt, die aber noch nicht zu tattrig ist, aufs Internet als Informationsquelle umzusteigen. Zweiter Rechenfehler: es sind auch jüngere Leute längst nicht alle so dumm, für wie sie gehalten werden, haben zweitens weniger Geld und sind drittens noch weit mehr aufs Medium Internet fixiert

Man verlangt also de facto Geld für die Termine, an denen man verdient. Das ist, als fordere ein Bäcker von seinem Mehllieferanten Bezahlung dafür, dass dieser ihn beliefert. Das ist, als verlange ein Bäcker nicht nur Geld von dem Hungrigen, der bei ihm Brötchen kauft, sondern zusätzlich eine Abgabe dafür, dass er Hunger hat. Das ist, als backe ein Bäcker immer schlechtere Brötchen, und zöge  - zwei Fliegen mit einer Klappe - dafür dem arglosen Kunden und Mehllieferanten, die in dem Moment zufällig gleichzeitig das Geschäft betreten, unvermittelt einen Baseballschläger quer durch die bass erstaunten Gesichter. Das ist als experimentiere ein Bäcker mit neuen Backmischungen, in denen er das Mehl durch gemahlenes Rattengift ersetzt. Das ist, als zünde ein Bäcker am Ende seine eigene Bäckerei an, und tanzte irre lachend um das Flammenmeer herum. Das ist Versicherungsbetrug.

Über den "Tip" rede ich gar nicht, der war für mich noch nie eine Option, als schon immer irgendwie die Stadtzeitung "der Anderen". Seit einer Weile schon gibt es jetzt nur noch Andere. In Zukunft wird es nur noch Keine geben.

 

Artikelaktionen

Spackenkram

Kommentar von bosch am 02.07.2008 11:01
Was für ein Spackenkram. Da kann man nur hoffe, dass Berlin in Sachen Stadtzeitschriften nicht den Trend setzt. Die Szene Hamburg läuft ja zum Glück inhaltlich noch ganz ordentlich. Zieht doch einfach nach HH, dann habt Ihr ein Problem weniger.

spackenkram

Kommentar von uli am 02.07.2008 16:22
Hier ein Problem weniger, aber dort viele mehr.

Bäckerblume

Kommentar von Baufresse am 02.07.2008 12:16
Danke Uli, ansonsten fällt das zitty-abgewöhnen nicht schwer, das www ist ... aber holla!

Bäckervergleiche

Kommentar von Klaus am 12.07.2008 23:23
Noch nie soviel Unsinn auf so wenigen Zeilen gelsen. Gratulation.

Bäckervergleiche

Kommentar von uli am 15.07.2008 12:22
Danke. Sehr nett.