Ich lebe noch
Das hätte ich mir beim besten Willen nicht träumen lassen. Da blöke ich einmal drei Tage lang nicht und schon geht ein Aufschrei durchs Volk, als fiele Knuts Ausstopfung und die Benzinpreiserhöhung auf 17 Euro je Liter auf einen Tag. Waschkörbeweise Post (alles geklaut, da abwesend). Wütende Anrufe (die ich zum Glück nicht mitbekam, da abwesend) durchbohrten wie Granaten des geharnischten Protests meinen heimischen Blök-Kommandostand - sogar eine Mail rutschte durchs Telefon hindurch irgendwie in meinen Computer hinein, und - schlupps:
"Wo bleibt der Blök, Herr Hannemann, du Sau", waren noch mit Abstand die freundlichsten Worte. Man muss die Leute verstehen: Monatelang habe ich wie ein betrügerischer Makler die Erwartungen angefüttert, um sie nun auf einen Schlag bitter zu enttäuschen. Dabei hatte ich einfach keine Zeit.
Ihr habt ja keine Ahnung, was hier los ist: Morgens aufstehen, Traurigsein, dann frühstücken, Mittagessen, Mittagsschlaf, Traurigsein, Kaffee und Kuchen, Abendessen, Fernsehen, Einschlafen (traurig). Wie man sieht, ist im Grunde schon im Alltag das Blöken nur mit schier übermenschlicher Anstrengung möglich. Und dann will ich ganz vielleicht mal, wenn's recht ist, liebe Herrschaften, auch noch ausspannen. Das muss ja wohl gestattet sein.
Ich war also mit Dan Richter und Jochen Schmidt in Görlitz, wo ein Ableger des bewährten Berliner Kantinenlesens angetestet wird. War schön. Auch die Stadt: schön. Eine schöne Stadt also. Nette Menschen, die ebenfalls schön waren, allein durch ihre Nettigkeit. In einem schönen Zug zurück durch schöne Wälder und stillgelegte Industriegebiete. Deutschland ist schön. Dann war ich Fußball spielen und heute im Treptower Park zum verdienten Ausruhen.
Meine Güte, dass ich hier jetzt jeden meiner Schritte akribisch rechtfertigen muss, hätte ich nie gedacht, als ich mit der Blökerei anfing. Weia! Wirklich schlimm...

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