Heimkommen
Zurück sind wir mit dem Zug gefahren. Der blieb ständig stehen, und wenn nicht, dann bumperte es hart vom Bereich der Wagenradachsen her: erneut war wohl ein Schaf zum Erliegen gekommen. Wir stellten uns vor, wie die anderen Schafe nun traurig sind. Das nächste mal fliege sie wieder, sagte X., die edle Umweltsau. Ich sagte Madrid. Sie sagte Dumichauch.
Zwei Städte, zwei Meinungen: Fast begann eine Miststimmung unsere Antlitze zu verdüstern und uns drollige Kerlchen gegeneinander aufzufächeln und zu -stacheln und zu -sticheln.
Das musste eigentlich nicht sein. Der Urlaub war schön gewesen doch. Und nun das. Viele Menschen in dem Zug schrieen, weil sie das Unheil kommen sahen. Sie schrieen nicht richtig laut, so dass man sie hätte hören können, doch wenn ich in ihre teilnahmslosen und nur äußerlich scheinbar verdummten Gesichter blickte, dann wusste ich, dass sie innerlich schrieen, ganz tief in sich selbst hinein.
Zum Glück hellte sich in Leipzig unsere Stimmung stark auf. Wir standen mit dem Zug auf dem Bahnsteig von dem Bahnhof zum Aufenthalt hingestellt da, und sahen aus dem Fenster von dem Wagen von dem Zug. Eine junge Frau saß in der goldenen Abendsonne auf einer Bank und aß einen sogenannten Wrap, wo grüne Soße drinne war.
X. bemerkte nun, dass das Mädchen auf einen Spieß gebissen hatte, der sich in dem Wrap unter der grünen Soße schlau verborgen gehalten hatte, und ihn fast runtergeschluckt hätte, also schon im Mund hatte und dann bemerkt, den Spieß, und wieder so rausgewürgspuckt. Puh!
Bei dem Gedanken daran, wie es denn wäre, jetzt hier superbequem im Zug zu sitzen und dabei voll in der ersten Reihe und in aller Seelenruhe einer jungen Frau auf dem Bahnsteig beim verzweifelten Todeskampf zuzusehen, wurde mir ganz warm ums Herz. Ich bin mir beinahe sicher, ich lachte sogar ganz kurz glockenhell auf mit meinem typischen glockenhell glucksigen Lachen, das anzeigt, wenn mir lustig zumute ist und heiter.
Noch als wir aus dem Bahnhof von dem Leipzig herausfuhren, schmunzelte ich selig vor mich hin.

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