Happy birthday, Nichttürke!
"Oje. alte und frustrierte Männer feiern sich selbst."
So ist es. Fielmann hat es offenkundig nicht mehr nötig, Bahn (50 Bonuspunkte!) und Bruder immerhin noch per mail und Großmutter per Anrufbeantworter gratuliert. Und nun gratuliere ich mir selber.
Rundheraus gesagt: Ich mag mich. Meine Freundin sagt auch, dass ich nett bin. Als Indiz für die Glaubwürdigkeit ihrer Aussage werte ich, dass sie mir unter anderem die ersehnte schwarze Gummibadeente mit dem Totenkof geschenkt hat, um die ich meinen Sportskameraden Wolfgang so beneidet habe, der sie dann eh bloß seiner dreijährigen Tochter geschenkt hat - das Kind weiß so etwas doch gar nicht richtig zu schätzen -, der ich im Folgenden versucht habe, den Schatz in einem vom Vater unbeobachteten Moment zu entwinden, doch sie war stärker.
Bätsch, jetzt habe ich selber eine.
An dieser Stelle ein kleiner Exkurs zu Leser- und Zuhörerkommentaren in Gästebüchern und Leserbriefen: Die Geschmäcker sind verschieden. Ich akzeptiere, dass jemand meinen Stil nicht mag, und meine Texte. Manchmal mag ich sie selber nicht, und so sollte es auch sein, bei jedem, der noch wenigstens den entfernten Wunsch hat, sich zu entwickeln. Ich akzeptiere auch, dass jemandem meine Stimme nicht gefällt oder meine Fresse (auch das geht mir an gar nicht so wenigen Tagen genauso). Ich mag auch nicht alles und alle.
An negative Kommentare bin ich gewöhnt. Ich muss mir nicht alles anziehen, und dasselbe gilt für Lobeshymnen. Ich bin ebenfalls daran gewöhnt, dass der Ton schärfer ist, wenn aus der Anonymität heraus geschossen wird, als im persönlichen Gespräch. Ich bin daran gewöhnt, dass zuweilen versucht wird, unter der Gürtellinie zu treffen, anstatt mit inhaltlichen Argumenten zu arbeiten. Das ist mir als fauler Mensch sogar lieber, weil ich dann nicht gezwungen bin, mich damit auseinanderzusetzen. Über die dümmsten und gemeinsten Anwürfe habe ich sogar gelernt, mich zu freuen. Ich sammle sie. Einen derartigen Leserbrief habe ich hochkopiert und in meiner Küche aufgehängt. Ich freue mich jeden Tag darüber, und meine Besucher staunen und lachen: "Mein Gott, ist der blöd!"
Voriges Jahr habe ich an einem Sonntag Geburtstag gehabt. Ich habe einen Kuchen gebacken und bei der Reformbühne an das Publikum verteilt. Dann habe ich eine schöne, platte, schön platte und grotesk überhöhte Hommage an mich selbst vorgelesen. Der Kommentar darauf (siehe ganz oben) hat mich dann ausnahmsweise tatsächlich doch getroffen.
Ich weiß inzwischen eigentlich gar nicht mehr genau warum. Wahrscheinlich war es das Erschrecken oder das erschrockene Zurückrufen in die Erinnerung, dass das (im Gegensatz zum Beispiel zum Zeitungsleser) irgendwie als eigen, vertraut und artverwandt empfundene Lesebühnenpublikum eben gar nicht so selten um 180 Grad anders in der Birne tickt als unsereiner. Dass Humorcodes nicht ankommen, Attitüden nicht als Attitüden erkannt und Gefühle nicht nachempunden werden, der Autor mit der Figur verwechselt wird etc.
Letztlich ist es aber gut und wichtig, ab und zu daran erinnert zu werden.
Und nun noch ein äußerst interessanter Nachtrag zu meinem gestrigen Blök: Jochen Schmidt hat mich am Lausitzer Platz gesehen. Er hat es mir abends beim Fußballtraining erzählt, mit den Worten: "Ich hab dich gestern auf dem Lausitzer Platz gesehen." Ich fragte daraufhin: "Echt? Wann war das? Da müsste so am frühen Abend gewesen sein." Daraufhin überlegte er kurz, und meinte dann auch, das müsse so am frühen Abend gewesen sein. Der spontane Abgleich führte also zu dem Resultat, dass mich Jochen Schmidt in der Tat auf dem Lausitzer Platz gesehen hatte. Das fand ich schließlich schon irgendwo einen ganz schönen Hammer.

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blümchen
(Den Kinderchor und das Feuerwerk mit U.H.-Schriftzug um den Fernsehturm haben Sie gestern ja leider verpasst, weil Sie gerade dringend Tesa holen mussten...)