Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Artikel Gelegenheit verpasst

Gelegenheit verpasst

— abgelegt unter:

Mittwoch abend habe ich doch tatsächlich die einmalige Gelegenheit verpasst, den Außenminister der Bundesrepublik Deutschland zu ermorden.

Gelegenheit verpasst

Steinmeier und ich

Es ergab sich beim gemeinsamen "Public Viewing" (so nennt man in England übrigens die öffentliche Beschau des aufgebahrten Verstorbenen) im Stützpunkt der "11 Freunde" nahe der Treptower Arena.

Seit meine Korrumpierbarkeit nie geahnte Dimensionen angenommen hat, tanze ich wie ein eitles Elflein mit unnachahmlicher Leichtigkeit im Reigen der Reichen, Schönen und Mächtigen mit. Butterstulle mit dem Kaiser von Kina? Na logen! Wettweitpissen mit Naomi Campbell? Nichts leichter als das!

 

Steinmeier und ich
Gruppenbild mit Politiker

Und nun eben Public Viewing mit Walter (glaube ich) Steinmeier (schreibt man so, glaube ich). Wir saßen keine zwei Meter auseinander. Ich hätte ihn ermorden können.

Die Sache hatte nur einen Haken: Wozu? Beziehungsweise einen zweiten: Warum?

Ich hab ja gar nichts gegen ihn. Ich kenne ihn auch gar nicht. Ich habe zwar kurz überlegt, hinzugehen, zu sagen, "hallo, ich bin der Uli", und ihm die Hand zu schütteln, aber das wäre nicht gegangen, denn ich hatte in jeder Hand zwei Bier, und die wollte ich nicht verschütten, obwohl sie umsonst waren - die Reichen und Mächtigen, wie gesagt, alles umsonst...

Der Minister ist wahrscheinlich sogar ganz nett. Und selbst wenn nicht, wär das immer noch lange kein Grund, ihn umzubringen. Sogar seine Personenschützer waren ganz nett. Nur gut aufgepasst haben sie nicht, denn hätten sie geahnt, dass direkt neben ihnen jemand grimmig heiteren Gemüts mit dem Gedanken spielte, nun ja, die Betonung auf spielte...

Ich interessiere mich eigentlich auch nicht groß für Politik. Das sollte man schon tun, als Terrorist. Ich denk mir, ich sach ma, leben und leben lassen, ist doch genug Platz für uns alle da, zumindest für uns alle mächtig Schönen im Kreis aller mächtig Reichen. Ich denke mir, er soll ruhig seinen Außenministerkram machen, was da so anfällt, und ich mach halt so meinen. (Abspülen muss ich zum Beispiel noch). Da kommen wir uns nicht in die Quere. Und zu guter Letzt: er tötet mich ja schließlich auch nicht - davon gehe ich jetzt mal optimistisch aus.

Soeben ruft eine Frau vom Tagesspiegel an, und sagt, sie sammle Tipps für das Endspiel am Sonntag, von Prominenten. Vor einem Monat oder einer Minute hätte ich vielleicht noch gefragt, "und, warum rufen Sie da bei mir an?"

Aber seit der Sache mit Naomi frage ich das natürlich nicht mehr.

Artikelaktionen