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Fremdgegangen

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Am Sonntag bin ich fremdgegangen: Anstatt bei der Reformbühne Heim &Welt vorzulesen, tauchte ich wie ein Föhn aus der Tasche urplötzlich im ersten Stock des Café Eisbein auf, um bei der "Lesebühne des Westens" aufzutreten.

Und, was soll ich sagen, es war grandios: Mindestens dreizehn zahlende Zuhörer machten Lärm für neun und Stimmung für elf. Um nicht missverstanden zu werden: ich persönlich hätte die Veranstaltung, die ich gemeinsam mit den entzückenden und begabten Kollegen michaEbeling (LSD), Tilman Birr (Neuköllner Lesegala) sowie dem furiosen Pianisten Rolf Hammermüller (neunter Monat) bestritt, durchaus einen Besuch wertgefunden, wenn auch einen winzigen aber scharfen Zacken weniger als die Reformbühne. Klar, ich muss das sagen, aber ich hätte es auch gesagt, wenn ich es nicht hätte sagen müssen, beziehungsweise muss ich natürlich auch sagen, dass ich es ebenfalls gesagt hätte, wenn ich es nicht hätte sagen müssen.

Zum Glück verhinderte der hochkarätige Barkeeper des Eisbein durch seine freundliche Aufmerksamkeit das sonst nach dem Fremdgehen gerne mal auftretende katerähnliche Gefühl, drei(zehn) Menschen verarscht, zwei Körper entwertet und ein Konzept verraten zu haben. Nein, ich ging stattdessen zufrieden nach Hause, sagte mir, es war gut, es war doch nur Vorlesen, wir haben es halt in dem Moment beide gebraucht, die LeDeWe und ich, sie ist einsam, sie ist hungrig, sie schmachtet nach Berührung, es ist Herbst, und die Reformbühne wird niemals ein Sterbenswörtchen davon erfahren, und dann tut es ihr auch nicht weh.

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Kommentar von Anonymer Benutzer am 29.10.2008 16:00
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