Ersatzdroge
Da ich ja bekanntermaßen schwer am Schnupfen erkrankt bin, und mir wie leider so oft sowieso nichts einfällt, habe ich gestern erst ein Spiel der U21-Europameisterschaft gesehen und danach noch eines vom Confed-Cup hinterher, ich glaube Italien gegen Ägypten, aber ganz sicher bin ich mir da nicht, denn parallel dazu habe ich immerhin so eine Art Englandtagebuch in den Laptop getapst. Nur ein Gerüst, ohne Hirn und ohne Lustig. Das geht auch ohne Nachdenken, was es muss, da ja der Schnupfen das Hirn mit seinen schleimig giftigen Tentakeln umfangen hält.
Dass ich mir solche Fußballspiele ansehe, ist typisch für die Sommerpause in der Dritten Liga (Bzw. auch in der ersten, aber die ist nicht ganz so wichtig). Da bin ich dann nämlich quasi auf Entzug und muss mir mit Ersatzdrogen behelfen, die im schlimmsten Fall dazu führen, dass ich auf einem Spartensender, der im Zweitfernseher auf einem dreistelligen Senderplatz versteckt ist, zu dem man sich erstmal durch 18 Dauerwerbeprogramme sowie den Polizeifunk und Radio Marija durchwühlen muss, mir die Ü50-Ozeanienmeisterschaft für dreibeinige Kohlhamster auf Bewährung reinziehe, nur um überhaupt etwas Fußball glotzen zu können.
Und für diejenigen, die sich nicht für Fußball interessieren: Dein Stammlokal mit der herrlich leichten französisch-thailändischen Küche hat geschlossen. Und alles andere im Grunde auch. Es gibt nur noch vergetarischen Döner in Paech-Brotscheiben.
Und für diejenigen, die sich weder für Fußball noch für Essen interessieren: Du zitterst. Du hast alles durchsucht, selbst den Altglascontainer: nirgendwo ein Tropfen Schnaps. Doch unter der Spüle steht ja noch das Fensterputzmittel. Im Bad die Einwegspritze, hundertmal benutzt, die stumpfe Nadel angerostet. Intravenös könnte das reichen, bis morgen Aldi aufmacht. Ägypten hat übrigens Eins zu Null gewonnen.
Und hier schon mal ein Bericht aus England, Verfasser Jan Brandt.

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oh gott