Ein weiter Weg
Zum wiederholten Male habe ich denselben Fehler gemacht, beim Gemüsetürken am Kottbusser Damm diese großen und gutausehenden Boskop-Äpfel zu kaufen, die dort für nur 99 Cent das Kilo angeboten werden. Innen drin einmal mehr mehlig, verdorben, ungenießbar. So wird das nix mit dem EU-Beitritt, Herr Türke. An seinen Äpfeln muss er da noch reichlich schrauben, bis die den notwendigen Standard erreicht haben. Und jetzt komme bloß keiner daher, und sage, das seien doch deutsche Äpfel und der Gemüsetürke selber nur gefopptes Opfer. Am Ende der Fresskette stehe immer noch ich.
Apropos Fressekette, apropos ich. Es geschehen auch noch schöne Dinge.
So gelang es mir im Dachgarten-Restaurant bei Karstadt eine riesige Erdbeerschnitte abzugreifen. Gut, umsonst war sie nicht gerade, aber umsonst ist der Tod. Daneben stand ein großer Topf Sahne mit dem Schild "Schlagsahne. Eine Portion -,80". Ich löcherte eine junge Mitarbeiterin, was denn konkret eine Portion sei, da sei ich mir unsicher, und sie haute mir dann dermaßen eine Kelle drauf, dass selbst die die gigantische Erdbeerschnitte geradezu versank.
Wie wohl sie mir darüber hinaus gesonnen war, bewies nicht nur die Tatsache, dass sie mich auf meinem Gang zur Kasse hin u.a. durch Darreichung einer Kuchengabel perfekt betreute, sondern vor allem, dass sie mich dabei gleich mehrmals "Junger Mann" nannte.
Noch vor wenigen Jahrzehnten hätte ich das doof gefunden, doch heute, in einem Alter, da ich für das Lächeln einer jungen Frau normalerweise längst viel Geld bezahlen muss, geht mir solch ein ironischer Einwurf runter wie Schlagsahne.
Im Übrigen denke ich, ich werde von nun an öfter mal mein Essen fotografieren, dann bin ich hinterher nicht immer so traurig, dass ich es aufgegessen habe.


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Blutwurst