Eigentlich doch schade
Mit dem linken Ohr lausche ich dem Ingemar-Bachman-Wettbewerb in Karlsruhe, einer Art Lesebühne explizit für langatmige Geschichten.
Mit dem rechten Ohr nehme ich den Straßenverkehr auf der Hasenheide wahr, während ich mit Augen und Fingern diverse Arbeiten unterschiedlichen Anspruchsgrades ausführe. Ich bin vermutlich eines der wenigen männlichen Geschöpfe, die zu Multi-Tasking auch jenseits der gängigen Verrichtungen im Bannkreis eines Magen-Darm-Infekts in der Lage sind.
Bei der besagten Lesebühne gibt es ein Jury, die inzwischen offenbar palettenweise Kreide gemampft hat. Antiautoritär wird gekuschelt und gelobt, allerhöchstens mal mit dem Zeigefingerchen gedroht.
Früher wars lustiger, als die Jurymitglieder noch ungehemmt Hass und Häme über die Autoren kippten. Am schlimmsten war immer die böse Frau - speziell Autorinnen machte sie ohne Gnade regelmäßig komplett zur Sau. Leider ist sie in diesem Jahr nicht mehr dabei. Eigentlich doch schade. Ich hätte nie gedacht, dass ich das üble Weib einmal vermissen würde, aber ohne sie ist es irgendwie fade geworden.
Im Moment liest gerade Ulf Erdmann Ziegler. In seinem Videoporträt gibt er an, das Genre "Autogeografie" erfunden zu haben. Dabei gibt es das schon längst von Otto Waalkes: "Schnauze, Milz, oder du fliegst raus..."

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