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Die Bahn lügt

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Fast jede der beschwichtigenden Behauptungen der Bahn zum ICE-Unfall in Köln sind mittlerweile vom glücklicherweise übergeordneten Eisenbahnbundesamt (EBA) offiziell widerlegt worden.

"Die Bahn hat dies gesagt, die Bahn hat jenes gesagt", liest man allerorten, und was auch immer sie gesagt hat, entpuppt sich ganz banal als Lüge. "Flunkerei", würde man bei kleinen Kindern sagen, bei großen Behörden wie der Bahn fällt das schwer - es geht schließlich um Menschenleben, wenn auch offenbar nicht ihr, der Bahn.

Doch wie stelle ich mir eine Bahn vor, die lügt? Eine rote Lokomotive, der man nichts ansieht, weil sie ohnehin schon rot ist? Ein ertappter ICE-Triebkopf, dessen Grau nunmehr zum zarten Rosa hin changiert? Oder stecken gar Menschen dahinter, die niemals nicht genannt werden, und die sich nur "die Bahn" nennen: "Die Bahn", "die Partei", "die Mafia"...

Ich fahre schon immer gerne Zug, doch zunehmend komme ich meiner persönlichen Verkehrsminsterin, dieser vielfliegenden Umweltsau, gegenüber in Erklärungsnöte:

1. Mein beliebtes Argument Sicherheit. Eine Fluglinie, die ihre Maschinen nicht wartet, die Untersuchungsergebnisse verschleppt, behindert oder verschweigt, die Fehler des Personals unter den Teppich kehrt, hat im harten Konkurrenzkampf schnell verkackt. Die lügende Bahn besitzt leider das Monopol.

2. Mein beliebtes Argument Ökologie. "Was bitte ist öklologisch daran, hundert Schafe totzufahren?", fragte scharfsinnig die Umweltsau, und ging damit mit zwo zu null in Führung. "Nichts", musste ich zugeben, "es ist, im Gegenteil,  hochgradig unökologisch, hundert Schafe totzufahren." Nicht zu vergessen den Schmerz der hinterbliebenen Schafsangehörigen. Ersetzte man jetzt in einem Gedankenspiel Schafe durch Menschen, würde es davon zwar ökologischer, da von den hundert Menschen bestimmt kein einziger jemals mehr billigflöge (Billigfluglinien übernehmen keine Überführungen!), doch der Schmerz stiege dafür ins Unermessliche, da Menschen einfach weinerlicher veranlagt sind als ihre pullovergebenden vierbeinigen Vettern.

Und abschließend noch zu etwas ganz anderem: Schön war es Donnerstag abend wieder, im Ori bei "Ich fang nochmal an" vorzulesen. Mir hat es viel Spaß gemacht, und dem Publikum auch, jedenfalls hat es so getan, und allein diese Mischung aus Großmut, Respekt und Höflichkeit lässt mich gerne androhen: Ich komme wieder.

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