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Deutsches Liedgut

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"Finger im Po - Mexiko/Paris, Athen - auf Wiedersehn...": So schallte es gestern abend nach dem Training pausenlos durch die Vereinskneipe von Blau-Weiß Berolina. War das Lied zu Ende, fing es sofort von vorne an - da schien der sehr aufmerksame Wirt genau zu wissen, was er seinen Gästen schuldig war.

Seine Gäste waren wir, eine Handvoll hochkarätiger Literaten, die sich nach dem "Autorenfußball" wie üblich an eiskalter Milch labten. Ich spare mir an dieser Stelle die Namen der Freunde, um nicht des eitlen Namedroppings verdächtigt zu werden, doch ich deute an, dass es sich um extrem berühmte und monströs talentierte Schriftsteller und willige Fußballer handelt. Einer von ihnen hatte mich gar, um das Ausmaß dieser sensationellen Zusammenkunft einmal kurz zu verdeutlichen, vor etwa Monatsfrist auf dem Lausitzer Platz langlatschen sehen, während er vor einem "schlechten Italiener" saß.

"Autorenfußball": Das erinnert nicht nur semantisch an "Babyschwimmen" bzw. eine paralympische Teildisziplin. Konkret aber handelt es sich um das höchstlöbliche, wenn auch oft an verzweifeltes Ertrinken gemahnende, Streben eines gesunden Geistes nach einem gesunden Körper und damit nach Vollkommenheit.

Was für eine sensible Steilvorlage unseres lieben Wirts! "Finger im Po - Mexiko/Paris, Athen - auf Wiedersehn...", brüllte es stundenlang aus den Boxen. Schrie da nicht die deutsche Seele aus jeder Zeile? Schwermütige Grübelei, Hintersinn, der unerfüllbare Wunsch, geliebt zu werden? Deutschland. Goethe. Klinsmann. Goebbels. Wer, wenn nicht wir Kulturmenschen, sollte dieses kostbare Kleinod deutschen Liedguts goutieren, auf Sinn und Gehalt prüfen, wiegen und schließlich für zu schwer befinden?

Es war wohl nur dem Respekt vor dem Künstler geschuldet, dass keiner von uns mitsang.

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