Der Morgen nach dem Triumph
Nachdem die ganze Nacht hupende Autos vor meinem Haus hin- und hergefahren sind, herrscht nun Katerstimmung.
"Wozu das Ganze?", scheint sich der Morgen zu fragen.
Unten fegt ein winzigkleiner Straßenkehrer den Schmutz der nächtlichen Feier zusammen. Er ist so klein, dass man ihn von hier oben im 4. Stock aus gar nicht sieht. Ich halte es folglich auch nicht für ausgeschlossen, dass es nur der Wind ist, der Pappbecher, Sektgläser und Deutschlandfahnen über den Asphalt treibt.
Der Hausmeister hat die Reichskriegsflagge gehisst. Die ungewöhnlich wenigen Passanten drücken sich dicht an den Häuserwänden vorbei. Es ist, als schämten sie sich der Emotionen, die sie vor wenigen Stunden noch gezeigt haben. Ein Schwein war da ihr Götze, nicht gottgefällig. Der Kater nach dem Exzess. Scham.
Zwei junge Frauen - sie wirken frisch wie grad geschlüpfte Küken - begrüßen einander vor dem Personaleingang von Karstadt. Dann gehen sie rein. Man sieht sie nicht mehr. Sie sind wohl drin. Bestimmt arbeiten sie da. Ob sie wieder rauskommen? Am Abend? Vermutlich, aber ich weiß es nicht.

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