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Dejà vu

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Falls sich das so schreibt. Das ist Französisch, eine Sprache, die man immer gerne zu Hilfe zieht, wenn man einen besonders unangenehmen Sachverhalt elegant verbrämen möchte.

Französisch hat nämlich den Ruf des überaus vornehm und wohl Klingenden. Völlig zu Unrecht übrigens, wenn man diesen, per Zufallsgenerator über mindestens acht Oktaven breitgetretenen, schrillen Betonungsmansch beispielsweise mit den angenehm dezenten Knacklautsprachen afrikanischer Buschleute vergleicht

Aber das nur am Rande. "Dejà vu" heißt soviel wie "schon mal gesehen", und schon mal gesehen habe ich die Siegesfeiern der Türken nach einem Sieg bei der EM.

Das Theater steigert sich mit dem Fortgang des Turniers  und unangenehmerweise habe ich die vorige Nacht auch noch zu Hause verbracht. Der Blick aus dem Fenster (mit Ellbogenkissen und einer Flasche Rex-Pils) hatte schon was: Zeitweise Verkehrsstau unablässig hupender Autos mitten in der Nacht; zwei alles blockierende Schwerlastzüge, einer rot, einer weiß; tanzende und schreiende Menschen vor den Imbissen und Spätverkaufs; drei kleine Strolche, die auf dem Mittelstreifen wiederholt die Lunte an offensichtliches Kriegsgerät legen, und den kurzen Zeitraum vor den wirklich mörderischen Detonationen zur todesmutigen Zickzackflucht über die von fahnenschwingenden Idioten relativ blind genutzte Fahrbahn nutzen.

So, what?

Das sind mir einfach zuviele Landesfahnen. Einige Anhänger ganz bestimmter Teilnehmerländer, deren Namen ich hier nicht nennen möchte (die Liste können jedoch Interessierte auf Nachfrage bei mir einsehen), habe ich im Verdacht, dass es ihnen nicht ausschließlich darum geht, ein Fußballspiel gewonnen zu haben. Das und auch die Freude darüber bliebe ihnen unbenommen, ob es um ihren Verein geht, oder um ihre Ländermannschaft, obwohl das allein im Grunde schon eine alberne Spielerei mit Zettel Zufall ist: Geburts- oder meinetwegen Einbürgerungsurkunde - gegen Chelsea oder Barcelona hätte keines der Folkloreteams auch nur den Hauch einer Chance.

Einige (natürlich niemals alle, sondern schlicht ein vergleichsweise überhöhter Prozentsatz) Anhänger ganz bestimmter Teilnehmerländer, deren Namen ich im Folgenden nun doch nennen möchte, scheinen mir eher anfällig als andere für den absurden und sportfernen Gedanken, dass ihr Land nun etwas Großes geleistet hat, sie selbst etwas Großes geleistet haben, ihr Land dadurch größer wird, sie selber dadurch größer werden, und zwar als andere, und ebendas ist Chauvinismus:

Die Türkei, Kroatien, Polen, Russland, Griechenland, Deutschland. Letzteres mit dem so überaus nervigen fragenden Blick: "dürfen wir das denn?" Leute, dann lasst es doch einfach bleiben! Andere Landsleute ersetzen die Frage von vornherein durch rotzigtrotziges Tunen des mangelnden Selbstbewusstseins mit Hilfe aufgesetzter Massenidentität. Angenehmer wirkt es dadurch auf keinen Fall.

Manche finden es ja rührend, wenn jemand zwei Fahnen verschiedener Länder am Auto hat, zum Beispiel die der allersympathischsten Nationen, Deutschlands und der Türkei. Ich finde es volldoof. Denn eine Fahne ist doof, zwei Fahnen sind volldoof, drei Fahnen sind oberdoof, für vier Fahnen gehen mir die Begriffe aus.

Und in dem Zusammenhang muss ich nun doch mal zähneknirschend die Franzosen loben: Die bringen das mit dem Sport noch vergleichsweise wenig durcheinander.

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