Brennendes Fleisch
Deutschland gegen Kroatien - ein Spiel, bei dem auf den Rängen traditionell jede Menge Pyrotechnik zum Einsatz kommt. Und so war es denn auch gestern.
Die erste Runde kam während der Halbzeitpause zum Einsatz, dicke Kracher aus Rind- und Schweinefleisch. Die ganze erste Hälfte über hatte die Kohle auf dem Grill unten im Hof vom "Büro Seriös", wo wir oben auf dem Beamer das Spiel verfolgten, Zeit zum Vorglühen gehabt. Da waren die Pyros natürlich ratzfatz wunderbar schwarz. Gegessen haben wir sie trotzdem - ich allein bestimmt ein halbes Dutzend.
Am gemeingefährlichsten waren die fetten Schweineheuler von "Gut und Günstig", der Ford Transit unter den Würsten: groß, billig, schlecht, für alle. Gemahlene Stinktierknorpel in Asbesthaut, die vermutlich selbst der Geier verschmäht hätte, aber dermaßen bis zum Kragen voll mit Drogen, Aromen und Geschmacksverstärker, dass man ihre explosive Wirkung nicht vorm eigenen Ableben bemerkt - köstlich!
Deutschland hatte längst verloren und Jogi Löw zitterte schon wieder im Bonker von Ascona, da breiteten der Besitzer sowie Kunden und Verwandte des Besitzers des Zeitungskiosks im Vorderhaus eine komplett zerlegte Geflügelfarm auf dem zurückgelassenen Grillrost aus. Später kamen auch noch zufällige Passanten hinzu und legten in Lappenform auf, was ihnen vermutlich in die Finger kam: Hunde, Katzen, Mitarbeiter vom Ordnungsamt, Tofulebkuchenhäuschen, Eulen aus Athen und Käuzchen aus Thessaloniki.
Es war längst dunkel, da brach schließlich die Nacht herein. Lustig und beschwingt, aber auch ein wenig nachdenklich, gingen wir alle nach Hause, dahin, wo wir wohnten. Mein vergifteter Wanst sang mir mit drohendem Zirpen das Lied vom Tod.

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