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Baustellenüberfall

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Gestern auf der Rückreise vom BooknBall - Cup in Münster (hervorragender vorletzter Gruppenplatz mit der Spielvereinigung Ullstein des Anstoßes) fühlte ich mich in den Wilden Westen zurückversetzt. Irgendwo im düsterdeutschen Niemandsland zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt hielt denn auch der Zug tatsächlich an. Nach einer Weile des Nichts teilte uns eine hörbar vom Schrecken überwältigte Zugführerinnenstimme mit, vor uns marodiere auf einmal eine Baustelle, die die Strecke, wohl mit vorgehaltener Schaufel, zur Eingleisigkeit zwang. Man habe wohl eine Dreiviertelstunde zu warten. Was für eine Überraschung! Aber woher hätte sie das auch ahnen sollen. Sie ist ja nicht der Zug selber oder gar die Bahn, sondern sitzt auch nur in dem Zug mit drinne, wie wir alle. Ein Fleisch, ein Blut, in einem Boot. Viele Fahrgäste weinten vor Solidarität.

Nach circa 40 Minuten fuhr der Zug denn auch tatsächlich weiter, zunächst langsam und wie tastend, als müsse er nach dieser langen Fahrtpause erst wieder die Festigkeit des Schienenmaterials prüfen.

Mit offenbar negativem Ergebnis, denn nach wenigen Kilometern hielt das wackere Fernverkehrsgerät resigniert inne und harrte gottergeben  der weiteren Dinge, die da kämen.

Die kamen schließlich in Gestalt einer weitern Durchsage: Die böse Baustelle hatte sich verschlimmert und die Verspätung werde sich auf 60 oder 70 oder 80 Minuten erhöhen - nichts Genaues weiß man nicht. Wir warteten. Es wurde Nacht und es wurde Tag und es wurde wieder Nacht. Mindestens vier Züge kamen uns in dieser Zeit entgegen, die hatten offenbar ihre Teller gründlicher leergegessen.

Als wir am Ende doch noch in Berlin einfuhren, erhöhte sich die Verwirrung noch durch eine weitere unverständliche Ansage: "In wenigen Nutten erreichen wir Berlin Hauptbahnhof ..."

Stumm blickten die Menschen einander an. Dann an sich herunter. Anschließend aus dem Fenster. Berlin war ziemlich dunkel. Fliegeralarm? Auf den Bahnsteigen der durchquerten S-Bahnhöfe winkten Nutten und Nüttchen mit Handtaschen und Handtäschchen. Viele konnten es ja nicht mehr sein. Kollektives Aufatmen im Zug. Berlin Hauptbahnhof, Verabschiedung der geschlagenen Ullsteindelegation, nur ich fuhr wie üblich bis Ostbahnhof weiter.

Bahnbashing? Ach, wozu. Beim Fliegen geht ja auch dauernd etwas schief (Easyjet! Indian Airlines! Challenger!) und lange Strecken mit dem Auto zurückzulegen, kommt mir mittlerweile in einer Form irre und anachronistisch vor, die ich vor 20 Jahren nie für möglich gehalten hätte. Ich behaupte mal einfach, mir ginge es heute darum, die Bahn dafür zu geißeln, dass sie ihr eigenes Personal bar jeder Information im Regen stehen lässt.

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