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Sich gut fühlen.

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Schon gestern morgen, gleich nach dem Aufwachen, hatte ich ein richtig gutes Gefühl. "Das wird heute abend was", rieb ich mir innerlich die Hände, lehnte mich in meine goldenen Brokatkissen zurück, um so das gute Gefühl auch körperlich sacken zu lassen, und genoss es einfach. Was für ein herrliches Geschenk: Zu wissen, dass einfach nichts schief gehen kann, dass der Triumph mit seinen kleinen kräftigen Stummelbeinchen auf dem Silbertablett dahermarschiert kommt, unaufhaltsam, selbstverständlich, selbstbewusst.

Um das gute Gefühl zu feiern und zu vertiefen, trank ich ausnahmsweise schon am frühen Nachmittag Bier, zusammen mit einem Freund, der dasselbe gute Gefühl hatte. "Da kann nichts schief gehen", versicherten wir einander, unablässig klirrten die Gläser zweier zunehmend betrunkener und euphorisierter Sieger im Angesicht des nahenden Sieges: "Prost!"

Am Abend war es dann endlich so weit: Deutschland spielte gegen Liechtenstein. Und es traf natürlich ein, was wir ohnehin schon wussten: Deutschland gewann haushoch. "Ha ha, sind die schlecht!", keckerte ich ein ums andere Mal, wenn erneut ein überforderter Amateurverteidiger im hoffnungslosen Laufduell gegen unsere hochgetunten Weltstars den kürzeren zog. Was war das für ein Jubel, den ganzen Abend über. Ich schrie mir die Kehle wund, in der Ferne krachte ein Feuerwerk. Unten auf der Straße liefen die Menschen zusammen, jubelten, beteten, weinten und sangen. Kirchenglocken läuteten den Triumphmarsch aus "Aida". Kleine Gruppen winziger Liechtensteiner wurde in Ecken zusammengetrieben, mit vergammelten Zwergstachelbeeren beworfen und verhöhnt. Es soll auch Übergriffe nichtsexueller Natur gegeben haben. In jedem Fall einer der heldenhaftesten Kämpfe Goliath gegen David in unserer an Goliath-gegen-David-Kämpfen so erfahrenen Nation seit 1938, kurz: Ein großer Abend für ein großes Land!

Unsere wackeren Jungs schossen unermüdlich ein Tor nach dem anderen, bis ich schließlich freude- und sonstwietrunken ins Bett sank, in einen süßen Schlummer des Erfolgs. Ich hatte es gewusst, mein gutes Gefühl hatte mich nicht betrogen! Deutschland sollte immer gegen Liechtenstein spielen, ein Land, das eigens dafür gegründet wurde, damit andere Länder sich gut fühlen. Endlich konnte ich mich mal so richtig mit meinem Land identifizieren.

Ich mach das schließlich genauso. Ich bin Deutschland, und das ist unser gemeinsames Geheimnis: Die Hürden möglichst niedrig zu halten, und auch die Fallhöhe. Schwache Gegner suchen, um sich selbst zu erhöhen. Noch als erwachsener Mann treibe ich mich auf Spielpätzen herum, um mich mit kleinen Jungen zu prügeln. Aber nur, wenn die Mutter nicht in der Nähe ist. Anstatt zu studieren, und mir einen komplizierten akademischen Beruf zu wählen, suchte ich mir etwas, wo man möglichst wenig Fehler machen und nicht entlassen werden konnte. Und wenn doch, wäre es auch egal gewesen - ich hätte mich eben nicht genug angestrengt.

Stets verliebe ich mich nur in Mädchen mit riesigen Wasserköpfen, Schlappohren und unglaublich entstellenden Warzen. Sobald ich ihnen ihr Misstrauen ausgeredet habe, werden sie mich nehmen - es bleibt ihnen ja nichts anderes übrig, sonst will sie ja keiner. Ach was, ich lasse sie in mich verlieben, das ist noch einfacher, und schließt auch noch die letzte Option eines möglichen Scheiterns aus. Und wenn ich mir ihrer sicher bin, dann lasse ich sie fallen wie besonders hässliche heiße Kartoffeln. Neues Spiel, neuer Sieg.

Ich bin schon ein Fuchs. Ich bin der Fuchs, dem die Trauben weder zu hoch hängen noch zu sauer sind. Ich bin der Fuchs, der überhaupt keine Trauben mag. Ich geh überhaupt nicht hin zu dem Zaun, wo die Trauben da so drüber hängen. "Scheiß auf die verfickten Trauben", sage ich Fuchs, liege zu Hause auf dem Sofa, und warte, ob vielleicht irgendjemand zufällig an der Fuchsbautür klingelt, und mir ein Schüsselchen ungesüßten Quittenkompottes vorbeibringt, weil er sich in der Adresse geirrt hat.

Und wenn nicht, auch egal. Kann ich doch nichts machen.

Artikelaktionen

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Kommentar von stinkende warzenfresse am 08.09.2008 14:27
...wer hier wen fallenlässt!

mal sehen...

Kommentar von fuchs am 08.09.2008 15:19
Aber nicht doch, Liebling - ich kann alles erkären!