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Schock in der Abendstunde
Gestern abend wollte ich gerade los zum Fußballtraining, als es an der Wohnungstür klingelte. Ich dachte Folgendes: "Es hat geklingelt, da will jemand rein beziehungsweise mich sprechen - machste einfach mal schnell auf. Nanu?" Genauergesagt waren meine Gedanken in einer anderen Reihenfolge geordnet: "Nanu? Es hat geklingelt, da will jemand rein beziehungsweise mich sprechen - machste doch einfach noch mal schnell auf." Also zuerst "Nanu", aber das tut eigentlich nichts zur Sache. In jedem Fall aber hätte ich besser nicht aufgemacht. Denn vor der Tür stand eine Abordnung von Senioren, die alle ein böses Gesicht machten.
Beschwerden
Wie zu erwarten, hagelte es nach dem gestrigen kontroversen Blök kritische Zuschriften. Nicht nur in der Kommentarspalte, sonder vor allem auch über die Kontaktfunktion wurde ich aufs Schärfste zurechtgewiesen. Man zieh mich des Zynismus' und der Menschenverachtung. Ich zöge, so noch einer der harmloseren Einwürfe "alte Menschen durch den Kakao und gäbe meinen Senf dazu, um sie abschließend zu verbraten." Auf der Seite www.In-Würde-altern-und-sterben.de wurde ein direkter Link auf meinen Blök gesetzt, mit der kaum verhohlenen Aufforderung, meinen Schlupfwinkel ausfindig zu machen und mich zu töten. Und das alles nur, weil ich nun mal wirklich "Ampelhasen" gelesen habe, wo "Ampelphasen" stand. Ehrlich. Aber ich gelobe Besserung und gehe heute auf das tatsächliche Problem ein.
Ampelhasen
"Ampelphasen in Berlin zu kurz für Senioren" stand neulich als Schlagzeile in irgendeiner Boulevardzeitung. Ich aber las im ersten Moment: "Ampelhasen". Ampelhasen. Haha. Ist das nicht lustig? Nein? Für mich schon. Normalerweise sollte man ja nun denken, dass es des Themas hiermit genug wäre ("Mannomann, der findet es witzig 'Ampelhasen' verstanden zu haben, ich glaub's einfach nicht, und tschüss und ab dafür ..."), und man sich nun wieder echten Problemen (Duisburg, Äthiopien ...) zuwenden könne. Aber nein. Für mich ist nun mal nicht "normalerweise". "Normalerweise" reizt mich und fordert mich heraus. Während um mich herum das Volk ungeduldig murrt und mit den Füßen scharrt, geht mir hier so richtig einer ab, also im übertragenen Sinne, so flapsig ausgedrückt, ne.
Ausschreibung
"Kasperl fanatisch" - VHS Hietzing Kasperl-Theaterstück für Erwachsene zum Thema "Fanatismus"; einreichen bis zum 26. Oktober 2010; Dotierung: 1.000 Euro ["Gesucht wird ein Stück für Kasperl, Pezzi (?), Polizist, Gretl, Oma, Krokodil, Räuber und Zauberer für Erwachsene, dass Fanatismus thematisiert, zum Denken anregt."] So lautet der Originalwortlaut einer Ausschreibung, der mich dieser Tage erreicht. Mehrere Fragen bleiben dabei offen: Eine Volkshochschule lobt 1000 Euro Preisgeld aus? (Wer ist dafür verantwortlich? Sind die entsprechenden Medikamente auch in Deutschland rezeptfrei erhältlich?) Für ein Kasperl-Theaterstück? Für Erwachsene? Sind das Erwachsenen-Kasperl-Theaterstück und der Kinderporno die entgegengesetzten Pole ein und desselben Prinzips? Und wer ist der, die oder das Pezzi(?)?
Verschärft bestraft gehören Süchtige
„Verschärft bestraft gehören Süchtige, die bei Kindern kaufen“ wettert Stephan Wiehler am 20. Juli auf der Meinungsseite des Tagesspiegels. Das Problem: Strafunmündige Kinder werden vor allem im Bereich der U8 als Drogenkuriere eingesetzt. Die Lösung: Nicht verstärkter Druck auf die Auftraggeber, sondern „Verschärft bestraft gehören Süchtige“. Schön, dass wir im TSP auch noch im 21. Jahrhundert altvertraute Sätze lesen dürfen – weitere artverwandte Vorschläge: „Eine Backpfeife hat noch keinem geschadet“, „Homosexuelle müssen therapiert werden“, „Das Kopftuch ist ein Symbol der Unterdrückung“, „Österreich ist gar nicht richtig Ausland“, „Man weiß ja, dass der Ghanaer eine überragende Genetik aufweist“, „Morgenstund hat Gold im Mund“, „Der Löwe ist der König der Tiere“, „Fahrspur auf Autobahn nach Hitzeschaden gesperrt“ – ach nein, letztere kleine Schlagzeile steht ja tatsächlich schon drin, am selben Tag.
"Warum ist er jetzt da?"
"Der geht gleich". Gefragt hat ein kleines Mädchen, zu dem ich neulich eine halbe Stunde lang in ein behelfsmäßiges Krankenzimmer des Urbanlazaretts geschoben wurde. Und die beruhigende Antwort kam von einer Schwester, die das Kind dann mit nach draußen nahm, damit es solange auf dem Gang spielen konnte, bis der Böse Onkel abgeholt wurde zur Materialentfernung. Bei "Materialentfernung" muss ich immer an die Demontage von Industrieanlagen denken, mit denen sich so mancher Sieger nach Kriegsende schadlos hielt. Doch es war nur wertloser Draht, aus einem kranken Fingerchen. Man müsste übrigens schon sehr viele Drähte aus sehr vielen Fingerchen mopsen, um den Gegenwert der geklauten Oberleitung an der Strecke Berlin - Hannover aufzuwiegen. Warum mir diese kleine Episode, die nun auch schon wieder einige Wochen zurückliegt, jetzt gerade einfällt?
The Party's over
Oder "Schluss mit Lustig" wie man auf deutsch sagt. Wie ich bereits zwischen den Buchstaben andott, hätte das eigentlich schon Anfang der Woche hier stehen müssen, denn da war ja längst Schluss mit der WM, dem "Großen Fußballfest" (Kicker), dem "Großen Fest des Fußballs" (SZ) oder dem "Großen Fest Fußball" (Sport-Bild). Doch es stand vorigen Montag noch nicht hier, sondern woanders, nämlich nur in meinem Unterbewusstsein, als winzigkleiner Gedankenembryo. Gewiss, selbst die feinsten Details waren schon festgelegt, winzigkleine perfekte Fingernägelchen von dem Gedanken und auch Neben- und Hintergedanken waren im Ultraschall ausgeprägt zu sehen, doch dann auch wieder unvollkommen, nicht spruchreif und erst heute in meinen Kopf hinein geboren als Kopfgeburt, puh, anstrengend und schmerzhaft, aua aua, aber wem sag ich das, ist dies doch ein Blök, der traditionell vor allem von genesenden Müttern gelesen wird. Warum, weiß ich allerdings nicht.
Böser Mann, was nun?
Es war einmal ein böser, böser Mann. Er hieß Van Bommel und war der Chef einer gemeingefährlichen Gang, die sich zur Tarnung alle in Orange kleideten wie rechtschaffene Müllmänner, während sie den anderen Jungs beim Fußball pausenlos die Beine stellten. Das war „ein kluges Rezept“, wie der fiese Van Bommel meinte. Auch darüber hinaus benutzte er gern den gängigen Jargon der Sportverbrecher: „Wir haben uns taktisch clever verhalten“, „Wir haben uns perfekt auf den Gegner eingestellt“, „Wir müssen ihnen die Freude am Spielen nehmen“, „Wir werden ihnen so richtig weh tun.“ Nur mit Fußball hatte das nichts zu tun, aber darum ging es gar nicht.
Ja, ich habe geweint!
Selbstverständlich. Wir hatten nun mal alle Angst. Kurz nach dem Schlusspfiff machte sich im ganzen Land ein Schweigen breit, dass nichts Gutes verhieß. Nur die Spanier jubelten natürlich. Sie haben gewonnen und dürfen uns jetzt alle töten - das ist Fußball. Die Kräftigeren von uns werden sie gewiss leben lassen, um sie in ihre Erdbeerminen zu verschleppen, wo sie bis zum Umfallen nach vergifteten Erdbeeren schürfen müssen. Man kennt ja die Bedingungen dort. Jetzt bin ich unentschlossen: Soll ich hoffen, dass sie mich irrtümlich für einen der Kräftigeren halten, oder soll ich dem Abholer besser gleich die Röntgenaufnahmen von meinem Rückgrat unter die Nase halten, um ein rasches Ende der tödlichen Plackerei vorzuziehen?
Klopapier alle
Normalerweise müsste ich das twittern, das wäre immerhin ein typischer Inhalt, aber es gibt nach wie vor Kommunikationstechniken, derer ich mich nicht bediene: Rauchzeichen, Bienentanz, Taubstummensprache, Verständigung durch unterschiedlich dosierte Arschtritte und eben Twitter. Also blöke ich, was ich der Menschheit meine, unbedingt über mein wahnsinnig interessantes Leben mitteilen zu müssen, weil das die Menschheit nun mal wahnsinnig interessiert. In Zukunft wird, frei nach Andy Warhol, jeder Mensch alle anderen für 15 Minuten ganz schrecklich langweilen. Dasselbe gilt freilich auch schon für die Gegenwart. Umso geringer die eigene Bedeutung, desto fetter wird sie unterstrichen. Ein Pfeifen im Wald quasi, wenn der Wald denn ein Blatt Papier wäre, schon bevor man ihn zu diesem Zweck durch die Mangel der Papierfabrik gedreht hat und das Pfeifen ein Stift, um auf dem Blatt Papier (Wald!) eben die nicht vorhandene Bedeutung zu unterstreichen und äh brumm
Brasilien futsch
Eigentlich erstaunlich, denn lange Zeit wirkten die Brasilianer in meinen Augen deutlich besser. Das ging so schwupps, schlaong, schängel, ab durch die Mitte und dann rabumms, rafatzchen, rin die runde Eule in die Gitterbox. Zappel, jubel, freu. Die anderen so: hm, hm, guck, gräm. Und weiter gings. Die Holländer machten auf mich fast einen klobigen Eindruck (außer Robben und Wientjes natürlich). Eher so der Prototyp des deutschen Spielers. Van Kuyt ein Wendekreis wie ein Schlachtschiff und wenn man denkt, es geht nicht schlimmer, kommt noch Huntelaar dazu, dazukomm, eingewechselt werd, rumklob - ein Wendekreis wie ein Mittelgebirge.
Die Latte Gottes
Auch heute wieder ein Fußball-Blök mit affig vielen Links. Links, die ich schon längst mal unterbringen wollte, aber nicht wusste wo. Trotzdem waren sie mir zum Wegschmeißen einfach zu schade. Wenn ich mir nur vorstellte, wie ich mit meiner Pritsche von Robben & Sneijder bei der BSR in der Gradestraße vorfahre und die ganzen, eigentlich noch zu gebrauchenden schönen Fußballlinks unter den wachsamen Augen eines orangegekleideten (in Guantanamo bizarrerweise ja die Farbe der Häftlinge) Aufsehers in den Linkcontainer kloppe zu irgendwelchen schäbigen Links auf Kinderpornoseiten und Youtubefilmchen mit Mario Barth, wird mir ganz schlecht.
Neulich in Ghana
Beziehungsweise "Neulich gegen Ghana" wie es besser heißen müsste, aber wer maßt sich schon an, darüber zu richten, wie die Dinge "besser heißen" müssten? Ich kann ja auch nicht daherkommen und sagen: "'Hund' heißt ab heute 'Worfschnoffel' - das passt besser in einem lautmalerischen Sinne und sieht auch vom Schriftbild her prächtiger aus und passt überhaupt rundum besser, inhaltlich, semiotisch, semantisch, bilogisch, ästhetisch, akustisch, paraakustisch." Also, ich maße es mir schon an. Nicht im Falle "Hund", aber doch im Falle gegen Ghana. Exkurs Ende.
Schöner Balkon
Manche Leute haben es so schön, dass man direkt neidisch werden könnte. So gesehen in der Ohlauer Straße. Ich stelle mir vor, dass ich in dem Haus mit dem schönen Balkon wohne. Möglichst alleine, damit ich ihn den ganzen Tag für mich habe. Aber zu zweit geht natürlich ebenfalls. Man fragt einander einfach "Gehst du auf den Balkon? Sonst geh ich erst und du gehst dann später." Unter vernünftigen Leuten kann man das durchaus regeln. Und der Vorteil ist dabei, dass man das Erlebnis, einen solchen Balkon zu bewohnen, sogar noch mit einer geliebten Person teilen kann. Geteilte Freude ist nun mal halbe Freude.
Baustellenüberfall
Gestern auf der Rückreise vom BooknBall - Cup in Münster (hervorragender vorletzter Gruppenplatz mit der Spielvereinigung Ullstein des Anstoßes) fühlte ich mich in den Wilden Westen zurückversetzt. Irgendwo im düsterdeutschen Niemandsland zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt hielt denn auch der Zug tatsächlich an. Nach einer Weile des Nichts teilte uns eine hörbar vom Schrecken überwältigte Zugführerinnenstimme mit, vor uns marodiere auf einmal eine Baustelle, die die Strecke, wohl mit vorgehaltener Schaufel, zur Eingleisigkeit zwang. Man habe wohl eine Dreiviertelstunde zu warten. Was für eine Überraschung! Aber woher hätte sie das auch ahnen sollen. Sie ist ja nicht der Zug selber oder gar die Bahn, sondern sitzt auch nur in dem Zug mit drinne, wie wir alle. Ein Fleisch, ein Blut, in einem Boot. Viele Fahrgäste weinten vor Solidarität.
Wann dös des Nannerl wüsst ...
Es ist leider ein etwas unappetitliches Thema, aber ich bin guten Mutes, dass das nicht so auffällt, da mir zuweilen ja auch in unverdächtigere Inhalte ein wenig exkrementbelastete Sprache hineinrutscht. Aber es ist mir wichtig. Und bestimmt nicht nur mir, denn es könnte unser aller Leben revolutionieren: Im Fernsehen kam ein Bericht darüber, dass sie der Scheiße im Klärwerk jetzt Musik von Mozart vorspielen, damit die Mikroben besser gelaunt sind und flotter arbeiten, so dass weniger Schlamm übrigbleibt, also Scheißschlamm. Dabei galten Mikroben bislang in der öffentlichen Wahrnehmung als komplette Idioten, die noch nicht mal Ohren haben. Wie soll das folglich funktionieren?
WM-Berichterstattung
Zwischen mehreren Fußballspielen, bei denen tatsächlich Fußball gespielt wird (Ausnahme Frankreich gegen Uruguay), nimmt wie immer die Rahmenberichterstattung den größten Raum ein. Beziehungsweise die Rahmenhofberichterstattung aus dem Deutschen Kaiserpalast zu Pretoria. Da wurde zum Beispiel der Fußballspieler Schweinsteiger gezeigt, wie er als Dreijähriger auf Skiern darauf wartet von seinem Vater den winterlichen Hang hinab- und durch einen Slalom geschubst zu werden. Es sind Bilder von dieser Aussagekraft für das deutsche Spiel, die uns allem zulänglich aber getüm genasweilen, derdofort sämige Rundspacken allertalen zumittelst bräuniger Commentare und Coriander widerhopf schlechterer Unvernunft ... äh ... erfolgt.
Grüne Gefahr
Seit etwa zwei Monaten schlage ich beim Blick in den Kühlschrank zunehmend besorgt die Hände über dem Kopf, denn einige Veränderungen dort wollen mir nicht so recht gefallen. Im mittleren Fach steht eine halbdurchsichtige milchigweiße Tupperdose mit einem Rest Nudeln darin. Am Anfang dachte ich noch „Die Nudeln ess’ ich bald“, später dann „Die Nudeln schmeiß ich bald weg“ und jetzt beobachte ich sie nur noch bei ihrer langsamen, aber stetigen Veränderung. Ich kann gar nicht mal so genau sagen, warum mich der Anblick derart beunruhigt, doch der grüne Farbton, den die Masse in den letzten Wochen angenommen hat, gefällt mir ganz und gar nicht – so viel kann ich schon mal dazu sagen. Ich spüre unterschwellig, dass ich dringend etwas unternehmen müsste - aber was?
"Ein Malz wie ein Baum"
Das stand neulich auf der von mir genossenen Malzbierflasche. Da es mittlerweile schon zum wiederholten Mal dort zu lesen war, verstärkt sich in mir der Verdacht, dass es auf jeder Flasche steht. Doch wer hat das dort draufgeschreiben und warum? Erstere Frage lässt sich gerade noch benatworten: Ich vermute mal, die Malzbierflaschenetikettierer im Auftrag der Malzbier-Marketingabteilung. Das Warum verschließt sich mir hingegen.
Wer wird neuer Suppenkasper?
Nachdem der farblose Grüßaugust, von dem sich in all den Jahren niemand den Namen merken konnte, leberwurstmäßig den Bettel hinschmiss, nachdem ihm versehentlich, aber für einen Politiker nun mal unverzeihlich, die Wahrheit rausgerutscht war, und daraufhin alle anderen den obligatorischen Watschenbaum fällten, brauchen wir nun also einen neuen Frühstücksdirektor, Hilfskaiser, Pausenclown. Der hat ohnehin nichts zu sagen, obwohl die Tatsache, dass das Volk nicht darüber abstimmen darf, eigentlich impliziert, es handle sich um eine wichtige Entscheidung. Dasselbe meint auch die Tagesschau, die dem Kasperkram die Hälfte ihrer Zeit widmet, während in Nahost mal wieder die Hütte brennt, inn Amerika die größte Umweltkatastrophe aller Zeiten stattfindet und vor unserer Haustür halbe Länder wegschwimmen. Bei dieser Gelegenheit schöne Grüße nach Polen, wo ich immer sehr gerne war (danke noch mal!), aber dessen im Grunde kinderleichte Sprache zu lernen ich in weiser Voraussicht dann doch irgendwann wieder aufgegeben habe. Nun ist es weg. Hoffentlich taucht es wieder auf.

